Vielleicht kennt der ein oder andere von Euch die Marke "Cheap Monday", ein Klamottenlabel, das es in Deutschland nicht gibt, aber weit über Europa hinaus bekannt ist. So auch in Schweden. Fast jeder zweite läuft mit einer Röhren-Jeans dieser Marke durch die Stadt und immer wieder begegnen einem die Accessoires mit dem Totenkopf-Logo. Auch wenn Chucks nie so ganz meinem Geschmack entsprachen, kaufte ich heute unter anderem ein ganz besonderes Paar Schuhe:
Auch wenn ich kein Mitglied der Västmanland-Dalarna-Nation bin/war, habe ich mich heute dennoch für einen Pullover dieser Nation entschieden. Besonders die Konzerte dort waren immer absolut toll. Also wiederum ein "Erinnerungsstück Schweden" mehr, dass ich zu Hause mit einem Lächeln tragen werde.
Ich habe es heute in einem Uppsalaner CD-Geschäft gefunden und da ich diese Band, die übrigens aus Schweden kommt, erst hier kennenlernte, wird mich die Musik auch immer wieder an meine Nächte im schwedischen Winter erinnern, die ich vor dem Laptop verbrachte und dabei dem Schneefall vor meinem Fenster zuschaute.
Auch meine Gotlandreise ist mittlerweile gebucht. Am 9. Juni werde ich meinen Fahrrad-Zelt-Urlaub in Visby auf Gotland beginnen.
Am 23. Juni werden wir dann die Insel wieder von Visby Richtung Fährhafen Nynäshamn in Richtung Stockholm und Uppsala verlassen.
Ich hoffe, dass wir schönes Wetter haben werden, da momentan tagsüber etwa nur 11°C und Regen herrschen. Aber ab der nächsten Woche ist Sonnenschein angesagt...
Gestern war wohl der Tag der schweren Gedanken. Ich hatte das letzte Mal meinen geliebten "Skriftlig Språkfärdighet"- Kurs und bin mit einem ziemlich mulmigen Gefühl aus dem Kurs gegangen. Selbst das Sitzen in der Bibliothek war nicht so wie sonst, denn immerzu hatte ich im Hinterkopf: Am 12.7. ist es soweit, da wirst du Uppsala verlassen.
Wie schnell sind diese 11 Monate eigentlich vergangen?? Ich kann es selbst kaum glauben. Besonders das Frühjahrsemester verging im Fluge...
Ich habe wirklich Angst davor, wieder in Deutschland zu sein. Ich freue mich sehr auf Euch alle, und das wisst ihr ja auch, aber mein Leben spielte sich seit August 2006 hier ab, hier habe ich Fuß gefasst und Schweden mit jedem Tag mehr geliebt. Und nun muss ich mich "trennen". Ich habe schon eine Liste mit den Dingen gemacht, die ich noch unbedingt erledigen muss und was ich auf keinen Fall vergessen darf:
- einen Nationen-Pullover kaufen
- ein schwedisches Monopoly besorgen
- schwedische Schreibblöcke kaufen
- Logh und Tiger Lou CDs kaufen
- nach Avesta, Leksand und Mora fahren (Anfang Juni)
- nach Gotland fahren (ab 9.6.)
- Midsommar auf Gotland feiern
- ein letztes Mal nach Stockholm
- Schloß Gripsholm in Mariefred anschauen
- eine Umhängetasche mit Elchen drauf kaufen
- ganz Uppsala fotografieren
- schwedische Bücher, Hörbücher, Zeitungen besorgen/einpacken
- alle Poster aufheben
- eine Radtour zum Mälarensee machen
- schwedisches Geld aufheben
Als ich dann gestern auch noch mein "Moving-Out"-Schreiben bekam, war ich völlig down. Nun muss ich also auch schon meinen Auszug aus dem Zimmer planen und eine Inspektion veranlassen.
Heute Abend treffe ich Mike (Seattle) das letzte Mal. Wir sind zum Kochen verabredet und werden das letzte Mal Schwedisch reden.
Und so verabschiedet sich einer nach dem anderen. Ende Juni werden Robert und Simon abreisen. Anfang Juli Thilo.
Die vielen lieben Menschen aus meinem Kurs sehe ich am Montag bei der Klausur das letzte Mal.
Gestern Abend haben Simon und ich zusammen mit Helena und Tomas "Bröderna Lejonhjärta" von Astrid Lindgren geschaut. Helena hatte extra Kladdkaka gebacken. Und auch da merkte ich, dass mir die Beiden schon fehlen werden. Ich hoffe, dass sie bald in Deutschland sind, und wir uns gegenseitig besuchen können.
Ich hoffe sowieso, dass ich viele der hier kennengelernten Menschen wiedersehen werde. Besonders auch Mike, der ja sein Deutsch verbessern will. Also, komm' nach Berlin, da lernst du Hochdeutsch!! =)
Och bara för Mike skriver jag på Svenska idag. Och naturligtvis för alla andra som hellre vill läsa min text pa svenska :-)
Igår var det dags att känna sig olycklig. Den sista gången Skrifltig Språkfärdighet, den sista gången lektion med Åsa. Rent av sitta i biblioteket kände lite obehaglig och främmande: hela tiden hade jag "Jag åker hem den 12:e juli" i huvud. Jag satt i tankar och kunde inte koncentrera mig. Den 12:e Juli kommer snart och sen måste du lämna Uppsala.
Hur snabbt gick tiden egentligen förbi? Hur snabbt är allt över? De 11 månader? Jag kan inte tro det.
Jag är verkligen rädd för vara igen i Tyskland. Tillbaks i Tyskland. Jag ser jätte fram emot er alla och det vet ni, men mitt liv utspelade sig här sedan augusti 2006, jag har fattat mod och älskade Sverige varje dag mer och mer. Och nu är det dags att skilja.
Jag har en lista med några saker, som jag absolut inte kan glömma att göra eller köpa:
- köpa en nations-tröja
- skaffa en svensk Monopoly
- köpa svensk skrivblock
- köpa Logh och Tiger Lou skivor
- åka till Avesta, Leksand, Mora (i början av juni)
- åka till Gotland (den 9:e juni)
- fira Midsommar på Gotland
- åka till Stockholm, sista gången
- titta på Slottet Gripsholm i Mariefred
- köpa en väska med älgar
- fotografera hela Uppsala
- skaffa svenska böcker, talböcker och tidskrifter
- tillvara alla affischer
- göra en tur till Mälaren
- tillvara svenska pengar
När jag igår fick mitt "Moving-Out"-meddelande var jag väldigt ledsen. Nu är det dags att planera mitt utdrag och förmå ett rumsinspektion.
Ikväll träffar jag Mike (Seattle) den sista gången. Vi lagar mat tillsammans och förmodligen pratar svenska - den sista gången.
Och därmed den ene efter den andra och undan för undan lämna vi alla Uppsala. I slutet av juni Robert och Simon ska lämna Uppsala, i början av juli Thilo.
De många fantastiska och kära människor som jag har lärt känna vid kursen ser jag den sista gången på måndag när vi skriver tentan.
Igår kväll har Simon och jag träffat Helena och Tomas för att titta på "Bröderna Lejonhjärta" tillsammans. Helena bakade kladdkaka och jag kände att jag ska sakna dem. Jag hoppas, att de hälsar på oss i Tyskland.
Och jag hoppas att ja ska se Mike igen, eftersom han vill förbättra sin Tyska.
Mike, kom till Tyskland. Kom till Berlin, här kan du lär dig Högtyska! =)
Seit ich im Oktober beim Mando-Diao-Konzert war, meldete ich mich für den E-Mail-Newsletter des Debaser-Klubs in Stockholm an, und wie es der Zufall so wollte, spielten sogar die Red Sparowes in der Hauptstadt Schwedens.
Diese US-amerikanische Band, eine der Lieblingsbands von Simon, hatten es nun auch mir angetan, und wenn auch ohne Gesang, überraschten die grandios emotionalen Instrumentalstücke...
...der wundervolle Weg durch die Gamla Stan
an der Schleuse angekommen,
wo sich der Klub "Debaser Slussen" befindet
Karl-Johans-Torg 1
Warten auf den Konzertbeginn...
Die Vorband Tephra aus Braunschweig/Deutschland
und 21 Uhr betraten dann endlich die Red Sparowes die Bühne:
Der Rückweg durch Stockholm
Mitternacht
In Gamla Uppsala liegen drei große Hügelgräber (Thor, Oden und Frey), die oft als Königsgräber bezeichnet werden. Laut Mythologie und Volksglauben sollen hier die alten Schwedenkönige des Geschlechtes der Ynglinga liegen.
Simon und ich brannten also zwei CDs, randvoll mit super Musik: Rio Reiser, Nina Hagen, Mutabor, Udo Jürgens, Wir sind Helden, Rammstein, Schandmaul, Peter Schilling, Udo Lindenberg uvm.
Auf dem Weg zu Helena klingelte plötzlich Simons Handy und Helena verkündete, dass wir Königin Silvia verpassen würden, wenn wir uns nicht beeilten. Als wir ankamen, wurden wir von Königin Silvia persönlich vor dem Haus abgeholt (Helenas Schwester Elin hatte sich extra verkleidet, Silvia hat ja auch deutsche Wurzeln!). Helena öffnete die Tür und schon stand Thomas vor uns, der sich als deutscher Polizist verkleidet hatte. Und dann riefen sie in die Küche, wo noch ca. 8 Leute saßen: "Hej, de äkta Tyskarna!" (Hej, die echten Deutschen!) Dass Helena und Thomas gut Deutsch sprachen, wussten wir ja bereits, aber nahezu jeder auf dieser Party konnte ein wenig Deutsch. Zuerst unterhielten wir uns mit Axel, dann mit Anna über Zukunftschancen in Schweden und Deutschland und zum Schluss tanzte das Trüppchen zu "Ein Student aus Uppsala" durch die Wohnung.
Zwischendurch gab es noch Sachertorte, Sauerkraut und Bowle, und gegen halb 1 wurden ca. alle Eurovision Song Contest Songs von 2003 mitgesungen.
Gegen 3 Uhr nachts machten wir uns wieder auf den Weg nach Hause und eine nächste Verabredung stand schon fest: am Sonntag treffen wir uns zum "Brüder Löwenherz"-gucken. :-) Natürlich auf Schwedisch!
Thomas und Simon
Anna, Thomas und Helena
ich, Simon, Thomas und Helena
Ylva, Elin und Helena
Hier mit Axel
:-)
Dietmar hatte mich vergangenen Freitag auf die Idee gebracht und hiermit möchte ich ihm "Danke" sagen! Ich bin wirklich froh, dass ich mitgegangen bin und mich nun auch für Swing geöffnet habe.
Der Tanz entstand in den 1920er Jahren in den großen Ballsälen New Yorks zur Musik der Big Bands, die die Jazzmusik zur orchestralen Swing -Tanz -Musik weiterentwickelten. Und Lindy Hop wird hier in Schweden wirklich sehr ausgeprägt getanzt. Nun also nehme ich nicht nur einen Koffer voller Rezepte mit nach Deutschland, sondern auch zahlreiche Tanzschritte.
Circa 30 Paare hatten sich heute im Gymnastiksal der Vaksala Skolan am Vaksala Torget versammelt und warteten, dass nun endlich die ersten Schritte gezeigt würden. Nach wenigen Minuten ertönte auch schon die Musik, die Partner wurden gewählt und nach 5 Minuten wurden die Damen an den nächsten Herren links weitergegeben. 1,5h wurde ich durch schwitzige Hände mal zu mir gleich großen Männern aber auch einmal zu einem 2-Meter-Mann weitergereicht. Ich glaube, das sah recht witzig aus, denn ich musste meinen Kopf wirklich so weit hochstrecken, als würde ich an der Decke des Saales etwas erspähen wollen. Unter ihnen waren aber auch viele gute Tänzer und beflügelt von Swing Musik fuhr ich soeben mit meinem Fahrrad nach Hause...
Hier ein paar Fotos, um sich ein wenig die Quirligkeit des Tanzes vorzustellen:
Seit Beginn meiner Zeit hier in Schweden bekam ich die Bedeutung der sogenannten Gask-Besuche mit; jeder musste einen solchen mal mitgemacht haben. Anfang April fragte mich Simon dann endlich, ob ich mit ihm zu einem Gask gehen wolle. Doch ich denke, dass ich erst einmal erklären sollte, was ein Gask überhaupt ist:
Es handelt sich dabei um einen studentischen Ball, zu dem der Mann im Anzug oder Frack, die Frau in festlicher Kleidung bzw. Ballkleid erscheint. Es gibt ein 3-Gänge-Menü und meist singt ein Chor bzw. eine Art Unterhaltungsprogramm wird geboten. Ein solcher Gask/Gasque dauert etwa 6h und danach, so ab 23/24 Uhr darf noch heiter bis 4 Uhr morgens weitergetanzt werden. Im Durchschnitt kostet eine Gask-Karte etwa 300 SEK (also rund 30 Euro), die sowohl das Essen, als auch 2 alkoholische Getränke (Bier und Wein) und eine Spirituose (für die Trinklieder) beeinhaltet. Wer weitere "Snäpse" haben möchte, kann "Snaps-biljetter" zu Beginn kaufen und zeigt diese dann einfach der Kellnerin vor.
Helena erzählte uns, dass der Kultur-Gask in der Västgöta-Nation etwas ganz besonderes sei, denn es würde neben dem herkömmlichen Unterhaltungsprogramm noch vieles mehr geboten werden. Unter anderem eine Ausstellung, eine Klezmer-Band, sowie Chor und Bluesband sollten auftreten.
Da Helena mir versicherte, dass dieser Gask von der Kleidung her ein gewöhnlicher sei und die Männer "nur" im Anzug kämen, bedeutete dies für mich, dass "das kleine Schwarze" genügte (ein Ballkleid hätte ich auch nicht in meiner Garderobe gehabt). Nachdem Simon und ich etwa 3h vor Beginn noch die nötigen Accessoires (Krawatte, Socken, Haarreifen, Strumpfhose) bei H&M besorgt hatten, konnte es 17.30 Uhr am 14.04. auch endlich losgehen. Gestyled und guter Laune nahmen wir den Bus bis in die Stadt geradewegs zur Nation.
Dort angekommen bemerkten wir, dass alle Schweden auf die Anzeigetafel im Erdgeschoss der Nation schauten... Aha, man schaut also zuerst, wo man sitzt und mit wem. Supi, Simon und ich sitzen nebeneinander, dachte ich. Dann begaben sich alle in die erste Etage (wir kamen uns schon etwas unbeholfen vor, und waren froh, als wir Thomas und Helena trafen, die uns einfach "mitnahmen") und schnappten uns ein Glas Sekt. Aus einem Glas wurde ein zweites, daraus ein drittes etc. Als es dann endlich hinunter in den großen Saal ging, um Platz zu nehmen und endlich mit der Vorspeise zu beginnen, merkte ich schon, dass ich etwas weiche Knie hatte...
Bei der Vorspeise handelte es sich um Spargel mit einer leckeren Sauce und einem Parmesan-ähnlichen Käse obendrauf.
Mhm, der erste Spargel in diesem Jahr! Dann wurde zum ersten Mal gesungen, was sich etliche Male an diesem Abend wiederholte und wiederholte und wiederholte... Leider konnte ich die meisten Texte aus den speziellen, auf jede Nation zugeschnittenen, Gesangsbüchern nicht. Aber den beiden Franzosen zu meiner rechten ging es wohl auch nicht anders und somit wippten wir im Takt und genossen die Schweden bei ihrer Lieblingsbeschäftigung: Singen!
Nach dem Hauptgang wurden dann die Servietten über dem Kopf umhergewirbelt und später daraus eine lustige Kopfbedeckung gebastelt Ja, die Schweden sind sehr einfallsreich, wenn’s um’s Feiern geht :-)
(vlnr: Ein Franzose (ich glaube, er hieß Pierre) Thomas und Elin)
Gegen 23 Uhr etwa war dann die gesamte Zeremonie des Essens vorbei und nach Feuerwerk und erneutem Vorführen eines Theaterstücks konnte man dann darauf warten, dass die Pforten zum Tanzraum geöffnet wurde.
Eine Bluesband spielte auch:
Jeder stürmte an die Bar und machte sich auf den Weg, nach Leuten Ausschau zu halten, die nun so langsam in der Nation eintrudelten. Leider musste ich am nächsten Tag arbeiten, sodass Simon und ich uns gegen 23.45 Uhr auf den Weg nach Hause machten, und uns somit die Gelegenheit auf’s Tanzen bis morgens um 4 entging. Aber schön war’s trotzdem :-)
Kiruna. Allein dieser Ortsname löste immer wieder Faszination in mir aus. Lappland! Aber noch auf der schwedischen Seite. Und Extremtemperaturen sollen dort herrschen. Schnee bis unter das Dach und zu gegebener Jahreszeit besteht sogar die Chance, Nordlichter zu sehen. Wälder, Flüsse und Seen so weit das Auge reicht und sicherlich noch weiter. Also wie konnte ich an diesen wunderbaren Ort gelangen? Plötzlich ging alles ganz schnell, ein Trüppchen bestehend aus 8 deutschen Erasmus-Studenten (ok, David, unser Schweizer) saß am Abend des 2. Februar im Connex 2000 Richtung Narvik (Norwegen) mit Zwischenhalt in Kiruna, dabei konnte ich mich gar nicht mehr richtig daran erinnern, wer eigentlich den Vorschlag machte, nach Lappland zu reisen. Der Ausspruch "Wir fahren nach Kiruna" ging durch Uppsala wie ein Fegefeuer; bereits im Dezember und Januar bereisten viele Studenten die ehemals flächenmäßig größte Stadt der Welt, dabei sollte sie so viel gar nicht zu bieten haben. Eine Eisenerzbergbaumine... na gut. Und weiter? Wie sagte David doch so schön: In die Mine muss ich nicht, eher in's Icehotel. Das tönt gut. Also: Mine ist out; Icehotel ist in!"
Auf der unteren Karte sieht man wohl am besten, wie weit nördlich ich mich auf der Weltkugel befand:
Nachdem also unsere Hütten (eine 3er und eine 5er), die Zugfahrten, sämtliche Schlittenhunde- und Snowscootertouren sowie der Ausflug zum Icehotel geplant und gebucht waren, machte ich mir so langsam Gedanken darüber, was ich wohl alles in meinem Reiserucksack verstauen musste. Mit Enttäuschen stellte ich im deutschen Wetterbericht über die Weihnachtsfeiertage und auch noch in den ersten Tagen des Januars fest, dass es partout nicht richtig kalt werden wollte in Lappland. Minus 5 Grad. Da friert man ja nicht mal. Ich wollte schließlich ein Mal in meinem Leben minus 30 Grad erleben. Wozu hatte ich meine "Weihnachtswünsche" völlig auf Kiruna ausgerichtet? Polarhandschuhe, Polarsocken und eine Sturmhaube lagen nun in meinem Schrank und warteten nur darauf, endlich zum Einsatz zu kommen. Lange Unterhosen, langärmlige Skiunterwäsche, Skihose, Fleecepullover und meine Outdoorschuhe durften nicht fehlen. Als Reiseproviant nahm ich ca. 1kg Nudelsalat mit, den ich mir mit Thilo teilte; weiterhin meinen MP3 Player und Decke für den Zug, Kalender und Stift, Kamera, Handy, Buch und Spiele. Mit all' diesen Dingen in meinem Rucksack und einem extra "Essenbeutel" (ich fühlte mich wie zur Klassenfahrt 1995 ins Schullandheim) stand ich nun am 2.2. um 17.15 Uhr völlig aufgeregt zusammen mit Simon und Thilo an der Uppsala Centralstation. Gleich würden David, Irene, Dietmar, Frauke und Melanie um die Ecke kommen, der Zug wird auf Gleis 3 einfahren und um 17.41 Uhr würden wir aus dem im Nieselregen verschwindenden Uppsala unsere abenteuerliche Reise antreten.
David und Thilo sowie Melanie und ich am Bahnhof:
17.30 Uhr: Der Connex 2000 nach Narvik fährt ein. Wo ist Wagen 14? Platz 78. Ah... schön viel Platz. Rechts neben mir Simon, mir gegenüber ein Schwede (der später mit uns Karten spielte) und neben dem Schweden sitzt Thilo. Den Businessplatz auf der anderen Seite des Ganges nimmt Mela ein; ein einzelner Platz mit einem eigenen Tisch. Eine Sitzgruppe weiter sitzen Frauke, Irene und Dietmar, und David hatte es zu Beginn etwas weiter weg verschlagen. Es pfeift und der Zug setzt sich in Bewegung. Unglaublich. Ich fahre nach Kiruna!
Und je weiter wir uns von Uppsala entfernten, desto mehr Schnee tauchte plötzlich links und rechts der Gleise auf. Trotz Dunkelheit leuchtete Schweden! Ich machte es mir mit Musik und Decke auf meinem Sitz bequem, schaute aus dem Fenster und war schon so gespannt, was ich nach diesen 17 Stunden Zugfahrt wohl alles in Kiruna entdecken würde.
Wir vertrieben uns die Zeit mit Essen, Musikhören, Romméspielen, Black-Jack-Spielen (auf den Vorschlag des Schweden hin), Toilettengängen und manchmal nickte ich sogar auf den unbequemen, wenn auch weichen und durchgesessenen, Sitzen ein. Doch lang währte dieser Halbschlaf nicht, denn zwischen den einzelnen Sitzgruppen befanden sich Türen, die mit einem lauten Knall ganz automatisch aufgingen, sobald jemand den Wagon passieren wollte. Da sich in einem Wagon nur 1 Toilette befand aber viele Menschen, ging diese Tür auch dementsprechend oft auf und zu.
Thilo, Simon, Mela, David und ich wie wir die 17h im Zug verbrachten
Nach einer Nacht, die zwar bei Mondschein und Schnee äußerst schön war, wenn auch unbequem, war ich doch erleichtert, als es 10.28 Uhr „Nästa stationen Kiruna. Nästa Kiruna.“ aus dem Lautsprecher tönte. Dietmar hatte mit Leif, dem Besitzer des Camps, wo wir unterkommen sollten, ausgemacht, dass wir vom Bahnhof Kiruna mit dem Auto abgeholt werden würden, da wir sonst nicht wüssten, wie wir zum Altajärvi-See und demzufolge zu unseren Hütten kämen. Zu Davids Freude entpuppte sich unser Abholservice als eine fröhlich aufgeschlossene Schwedin Schweizer Herkunft. Zum ersten Mal hörte ich Schweizerisch… also so richtig. Und ich verstand rein gar nichts.
Kiruna-Reisende: hinten: ich, Dietmar, Melanie und Irene
vorn: David, Simon und Thilo
Für die nächsten 4 Tage benötigten wir allerdings noch so einige Lebensmittel. Und somit ließen wir uns direkt vor einem riesigen Coop-Markt absetzen, stürmten eine halbe Stunde durch sämtliche Lebensmittelabteilungen und saßen dann also komplett gewappnet gegen 12 Uhr mittags im Kleinbus Richtung Altajärvi-See. Die Landschaft, durch die wir fuhren, war wirklich Atem beraubend schön. Schnee ohne Ende… der natürlich auch Gefahren mit sich brachte. Die Schweizerin erzählte uns, dass jeden Winter viele Menschen durch den sogenannten „Snörök“ („Schneerauch“) bei Unfällen um’s Leben kommen. Dies geschieht zum Beispiel, wenn einem auf der Gegenfahrbahn ein Auto entgegen kommt und sich eine weiße Wand aus Schnee plötzlich vor dem eigenen Auto aufbaut. Diese Schneewände seien undurchschaubar und man fährt ganz automatisch in den Gegenverkehr. Meine Güte… dachte ich mir, hier ist ja was los. Hoffentlich würde nicht augenblicklich auch vor unserem Fahrzeug ein solcher Snörök auftauchen… Nach einer knapp halbstündigen Autofahrt konnten wir am frühen Nachmittag unsere Hütten am Fuße des Sees, den man durch den Schnee nur erahnen konnte, beziehen.
Toiletten- und Duschhäuschen
Die 3er Hütte stellt sich vor (von links): Dietmar, Irene und Frauke
Die 5er Hütte...
... und ihre Bewohner

Abendessen in der 5er Hütte (v. li.): David, Mela, Thilo, ich und Simon
David, Simon, Thilo, Melanie und ich bezogen die 5er Hütte und Irene, Dietmar und Frauke machten es sich in der 3er Hütte gemütlich, die nur 20m vom See entfernt lag. In unserer Hütte gab es sogar ein Bett in der Küche J, das David sogleich bezog. Im Gegensatz zur 3er Hütte verfügte unsere Hütte zudem über Dusche, Chemie-WC und fließendes Wasser. Durch den allerdings recht gering bemessenen heißen Wasservorrat, kam es ab und an vor, dass jemand kalt duschen musste. Am letzten Tag wich ich daher in die in einer kleinen Holzhütte befindliche Dusche, ca. 10m von der unseren entfernt, aus. Nachdem wir unsere Sachen verstaut hatten und Nudel- und Couscoussalate sowie Knäckebrote verspeist waren, begaben wir uns nach draußen und machten alle gemeinsam eine kleine Wanderung durch den Schnee. So viel Schnee hatten wir in Uppsala nie gehabt! Frauke machte Vorwärtsrollen in den Schnee und alle 10m wurde jemand von uns in den Tiefschnee „verfrachtet“. Zu diesem Zeitpunkt waren etwa -10 bis -15°C und es fühlte sich an diesem ersten Tag schon recht kühl an.
Am nächsten Morgen stand unsere Hundeschlittentour auf dem Plan. Pünktlich um 9 sollten wir uns in der Hütte mit der dafür erforderlichen Kleidung einfinden. Die Kleidung, die ich an diesem Tag trug, setzte sich folgendermaßen zusammen: Unterwäsche, langärmliges Skiunterhemd, Rollkragenpullover, lange Skiunterhose, zwei Paar Thermosocken, Fleecepullover, Skihose, Sturmhaube, Polarhandschuhe und Wollmütze. Doch ein blauer „Extremtemperaturenanzug“ musste her. Ah, es gab sogar einen für kleine Leute wie mich J. Ich schlüpfte also hinein und fühlte mich, als hätte ich innerhalb von 1 Minute ca. 20 kg zugenommen. Doch wer will schon frieren. Dann reichte mir Leif, der uns bei der (Aus-)Wahl der Kleidung beriet, Polarstiefel und Handschuhe, die sich aus 3 Einzelteilen zusammensetzten. Eine richtige Fellmütze durfte natürlich nicht fehlen. Als ich endlich alle Reißverschlüsse und Druckknöpfe geschlossen, Schuhe, Handschuhe und Mütze anhatte, dachte ich, ich würde auf der Stelle aufgrund von Sauerstoffmangel und Erstickungsanzeichen umfallen. So warm war mir noch nie zuvor gewesen! Doch ich sollte eines besseren belehrt werden. Selbst in dieser Ausrüstung konnte man noch frieren.
Beim Anziehen der Polaranzüge
Unsere Polartruppe (hinten von links): Thilo, Irene, David, Simon und Frauke
vorne von links: Melanie, Dietmar und ich
(Gebt's zu, ihr hättet mich nicht gefunden!)
Als endlich alle Acht in dieser Komplettausrüstung vor der Hütte standen, verteilten wir uns zu je vier Personen auf die beiden Hundeschlitten. Die Hunde heulten und bellten, dicke Schneeflocken fielen vom Himmel und die Schlittenführer machten sich bereit. Das war Wildnis und Abenteuer pur! Die nächsten 3h konnte ich kaum noch erwarten!
*Wuff* ... alle meine Wauzis :-)
Nachdem die Hundeschlittenführerin erklärte, dass wir uns der Größe nach auf den Schlitten setzten sollten, nahm ich also den Platz ganz vorne ein, hinter mir Mela, Simon und Thilo. Ich hatte zwar eine fantastische Sicht auf die Hunde und die Natur, aber windgeschützt war dieser Platz keinesfalls. Schon nach wenigen Minuten bemerkte ich, dass sich meine Augen plötzlich recht schwer schließen und öffnen ließen und wir stellten fest, dass es so kalt war, dass uns die Wimpern zusammenfroren. Nach einer ca. 1-stündigen Fahrt durch Wald und Schnee kamen wir an einem kleinen „Rastplatz“ mitten im Wald an. Rentierfelle hingen über einer zwischen zwei Bäumen hängenden Leine, die sogleich um eine Feuerstelle ausgebreitet wurden. Holz wurde angezündet, Kaffee und Tee in wahrscheinlich jahrhundertealten gusseisernen Kannen auf dem Feuer erhitzt und eine Schachtel Kekse wurde herumgereicht. Da saß ich nun mit meiner „Polartruppe“ und den beiden Schlittenführern. Mitten im Wald in Lappland. Jetzt, da ich hier wieder in meinem Zimmer in Uppsala sitze, kann ich es selbst kaum glauben, dass ich dort saß und Tee aus Plastikbechern trank, in denen sich das ein oder andere Hundehaar befand, mit festgefrorenen Füßen in einem Polaranzug samt Fellmütze auf dem Kopf. Es war einfach fantastisch! Unbeschreiblich.
Oben links, unten links und oben rechts bin ich ;-)
unten links: unsere beiden Schlittenführer
oben links (von links): Thilo, Mela, ich und Simon beim Tee
unten rechts: Dietmar und Irene
Auf geht's auf Schlitten 1(v.h.n.v.): Thilo, Simon, Melanie und ich
Nach dieser kleinen Rast wurde das Feuer gelöscht, denn die Hunde jaulten und waren zur Weiterfahrt startklar. Die Rückfahrt führte wieder über unzählige kleine Wege zurück zum Camp und ich war heilfroh, als wir dort ankamen. Meine Füße fühlten sich an wie ein Stück gefrorenes Fleisch aus der Tiefkühltruhe und nun drohten auch noch beide Arme durch den Fahrtwind in rascher Geschwindigkeit einzufrieren. Ich hatte noch nie erlebt, wie die Kälte einem durch die Glieder fahren könnte, bis man kaum noch etwas spürt. An diesem Tag sollte ich diese Erfahrung machen. Sofort wärmten wir uns bei Tee, Kaffee und Keksen in den Hütten auf, bevor wir erneut eine Schneewanderung machten.
Dietmar und David vor der Schneewanderung
Ein Hundeschlitten kommt von Weitem angesaust...
Mela, David und ich im Schnee =)
... und hier mit der Frauke
Die Hundeschlittentour war ein wahres Erlebnis, auch wenn mir für nur 1 Foto meine Hände fast erfroren wären. Doch die Fotos waren es wirklich wert.
Nun wurde die Spannung immer größer. Würden wir am Sonntag Abend auf unserer Schneescootertour durch die Berge tatsächlich Nordlichter sehen? Immerhin waren wir zur richtigen Jahreszeit am richtigen Ort. Am Sonntag Vormittag entschlossen wir uns den strahlenden Sonnenschein richtig auszunutzen, und entschieden, dass wir diesmal auf dem zugefrorenen See in die andere Richtung aufbrechen wollten. Als ich aus der Hütte trat, bemerkte ich sofort, dass es merklich kälter geworden war. Ich schätzte die Temperatur auf etwa -20 bis -25°C höchstens. Ich zog also meinen Schal noch tiefer ins Gesicht und vermied es, ständig Fotos zu machen, wobei ich ja meine Handschuhe ausziehen musste. Plötzlich kam Thilo hinter uns durch den Schnee gerannt… „Ratet mal, wie kalt es ist!“ Melanie und ich schätzten die Temperaturen, wie schon erwähnt, auf maximal -25°C. Thilo machte es natürlich spannend und malte die Temperatur in den Schnee: - 33°C!! Melanie und ich sahen uns verblüfft an. Minus 33 Grad??? Das war ja unglaublich. Ich wollte - 30°C erleben, und nun lag die Temperatur noch darunter. Diese minus 33 Grad merkte ich allerdings schnell. Eher gesagt bemerkte ich, dass meine Outdoorschuhe für diese Temperaturen nicht ausgelegt waren. Richtige Polarschuhe sollten also die nächste Investition sein. Ich musste nach kurzer Zeit umkehren, weil meine Wimpern und sogar die Haare einfroren, und meine Füße abzusterben drohten. „Heute Abend bei der Nordlichtertour werde ich aber noch ein Paar Socken mehr anziehen.“ verkündete ich Melanie bei anschließendem Aufwärmkaffee.
Strahlender Sonnenschein...
... bei diesen Temperaturen!
Frauke und Irene
Gegen 18 Uhr klopfte es an unserer Hütte. Ein uriger Schwede betrat den Raum und sagte: „I’m sorry, but we have to cancel the tour. Now there are minus 37 degrees on the lake and you will surely freeze to death!” Oh… wir würden uns zu Tode frieren? Trotz Polarkleidung? Das will schon was heißen, wenn die Einheimischen Scooterfahrer von der Fahrt in die Berge abraten. Er erklärte uns weiterhin, dass die Nasenspitze im Falle einer Erfrierung zuerst weiß und dann irgendwann schwarz werden würde. Ist sie erst einmal schwarz, kann man wohl nichts mehr machen. Die Enttäuschung war groß! Ich wollte doch so gern Nordlichter sehen! Nun war ich schon mal in Kiruna und es war plötzlich zu kalt. Doch wir nahmen eine neue Aufgabe wahr: jede halbe Stunde wurde das Sinken der Temperaturanzeige des Thermometers an unserer Hütte protokollarisch festgehalten. Und die Temperaturen sanken und sanken und sanken… Als das Thermometer - 40°C erreicht hatte, stürmte plötzlich Leif in unsere Hütte: „You want to see the Northern Lights? – Come out!” Juhu! Nordlichter! So schnell war ich noch nie angezogen. Und da waren sie, als ich 5 Minuten später mit meiner Kamera bewaffnet auf dem Altajärvi-See stand. Grüne wunderschöne Nordlichter, die sich in einem Fort bewegten und gerade erst dabei waren, sich aufzubauen. Minutenlang herrschte Stille und alle versuchten ganz eifrig, ein Foto dieses Ereignisses aufzunehmen, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Ein paar Versuche meinerseits und ich musste feststellen, dass es ohne Stativ einfach unmöglich war, scharfe Nachtaufnahmen eines Nordlichtes zu machen. Jedenfalls seht ihr hier mal meine Fotos.
Es wird Abend über dem Altajärvi-See
... und es wurde zunehmend kälter und kälter
Ich fotografierte von unten, d.h. wir hatten ca. - 41,5°C
Meine Kamera und ich haben unser Bestes gegeben :-)
Da wir nicht allzu lange draußen bleiben konnten, zogen wir uns ab und zu in die Hütte zurück und anschließend folgte eine weitere Runde „Black Stories“, ein Detektiv-Rätsel-Spiel, bei dem Simon ganz einfach in nur wenigen Minuten fast alle Fälle lösen konnte.
Da die Schneescooter-Nordlicht-Tour ja leider ausfiel, bot uns Leif jedoch eine am nächsten Tag stattfindende Schneescootertour in Verbindung mit der Besichtung des Eishotels an. Bis auf Simon, Melanie und mich sagten die anderen zu und düsten an unserem letzten Tag mit den Schneescootern in Richtung Jukkasjärvi. Wir Drei wurden allerdings von einem sehr netten älteren Schweden mit dem Auto abgeholt, das hatte auch Leif organisiert, und fuhren für 3 Stunden zum Icehotel. Als wir dort ankamen, wollte Simon aus dem Kleinbus aussteigen, brach dabei allerdings den Innengriff zum Öffnen der Tür ab und kam nicht mehr hinaus. Oh oh... dachte ich mir. Aber der ältere Herr antwortete: "Ach, das macht nichts, das ist ja nur Plastik, das kann bei minus 37 Grad schon mal brechen." und lachte in seinen Bart. Als wir 15 Uhr wieder von ihm abgeholt wurden, war die Tür noch immer fest verschlossen. Im Folgenden seht ihr nur eine kleine Auswahl an Fotos des Icehotels, das wirklich einmalig ist! Natürlich kann man auch in den unterschiedlich gestalteten Suiten übernachten, muss aber leider bereit sein, pro Nacht ab 230 Euro auszugeben und auf einem Rentierfell in einem Schlafsack zu schlafen. Es gibt auch ganz normale Zimmer mit Doppelbetten oder Mehbettzimmer. Ich kaufte mir natürlich den dazugehörigen Katalog, um alle Informationen zu den Designern zu bekommen. Man kommt aus dem Staunen wirklich nicht mehr raus, wennauch die Anzahl der Suiten nicht allzu groß ist. Ein Erlebnis ist es auf jeden Fall!
Der Eingang zum Icehotel
Ich auf dem Eisthron in der Hotellobby
Melanie, Simon und ich in einer Suite, die russische Konstruktivisten gestalteten
(tolles Bett, oder?)
Mela und ich nahmen erst mal einen Vodka...
... in der Absolut Icebar aus Gläsern ganz aus Eis :-)
Nachdem wir zu den "Stugor" (Hütten) zurückgekehrt waren, ging es auch schon an's Zusammenpacken der Sachen und Saubermachen. Um 18.41 Uhr würde uns der Zug wieder zurück in das uns plötzlich recht langweilig erscheinende Uppsala bringen. Am liebsten wären wir noch 2 Wochen geblieben und in David und mir reifte der Wunsch, in das "Stuga-in-Kiruna-Geschäft" einzusteigen =). Wie toll wäre es, dort ein zwei eigene Hüttchen zu besitzen und Sommer wie Winter in der Natur unterwegs sein zu können!?
Der Abschied von Leif und dem Campalta am Altajärvi-See fiel uns folglich nicht so leicht und schweren Herzens standen wir nun wieder am Bahnhof "Kiruna C". Doch ein Entschluss stand fest: Hier war ich nicht das letzte Mal! :-)
Rückfahrt nach Uppsala: Irene, Frauke, Dietmar und David
Hej då, Kiruna! Vi ses igen!
Noch mehr Fotos gibt es unter: http://picasaweb.google.de/Effigenie
Kalle, eigentlich heißt er ja Kalle von der Bismarckwarte, wurde am 29.12.2005 in Brandenburg/Havel geboren und kam am 26.02.2006 zu uns. Er gehört zur Rasse der PON (Polski Owczarek Nizinny) und ist somit ein polnischer Hütehund. Der kleine Sonnenschein ist immer und überall mit dabei, denn man möchte nicht mehr ohne ihn sein, wenn man ihn einmal kennengelernt und in sein Herz geschlossen hat. Auf den beiden oberen Fotos seht ihr sogar sein neues Spielzeug, ein bunter Knoten, der auch gern völlig nass morgens auf meinem Kopfkissen lag :-)
Jag lengtar efter dig min Wuschel!
Weihnachten war zudem etwas Besonderes. Zum ersten Mal saß ein weiteres Familienmitglied mit unter'm Weihnachtsbaum: Kalle. In freudiger Erwartung saß er da im Kerzenschein und sollte natürlich reichlich beschenkt werden: zahlreiche Büffelohren, eine Hundepfeife und ein neues Spielzeug, auf dem er den ganzen Abend herumkauen konnte. Doch nun soll dies ja kein Blogeintrag über Kalle sein. Dennoch hier ein Foto von meinem Schatzi:
Mein Kallemann :-)
Silvester feierte ich zum ersten Mal in meinem Leben in Berlin und es war ganz wunderbar. Wie schrieb Javelle doch gleich im Studiverzeichnis: Silvester unter Schwestern! Und so war es auch, - endlich waren die Ludwigsfelder Mädels mal wieder auf einem Haufen. Jeder brachte noch "Anhang" mit und schlussendlich waren wir dann ca.16 Personen in Javelles wirklich toller Wohnung im Prenzlauer Berg.
Mitte oben: Martin, Julia und Felix.
Mitte rechts: Julia und Marcel.
Javelle, vielen Dank nochmal für die tolle Party! :-) Und die tolle Musik *grins*.
Und immer wenn's am Schönsten ist, soll man bekanntlicherweise ja aufhören. Ich flog also schweren Herzens am 14.01. wieder zurück nach Uppsala, wenn auch meine Eltern mich begleiteten. Abschiede sind immer schwer und somit sagte ich mir immer wieder: Steffi, du wolltest das und da musst du jetzt durch. An dieser Stelle möchte ich noch etwas wichtiges loswerden: Opi, danke für die tolle Nudelsuppe! :-) Sowas werde ich sicherlich vor Juli nicht mehr essen können.
Mein Herz wurde zudem immer schwerer, man könnte fast sagen, es pendelte sich auf Kniehöhe ein, denn Januarstürme zogen über Berlin/Brandenburg hinweg und ich konnte mich sicherlich schon mal auf einen unruhigen Flug gefasst machen. Und so war es dann auch: Das Flugzeug hob ab, es ruckelte nach links, nach rechts und endlich nach ca. 12 Minuten hatten wir eine Flughöhe erreicht, bei der meine Atmung wieder einsetzen konnte. Nachdem ich 1h und 20min auf das "Fasten seat belt"-Schild gestarrt und meine Fingernägel Spuren in den Lehnen hinterlassen hatten, konnte ich mich beim Landeanflug wieder einigermaßen entspannen und war bei Ankunft auf der Rollbahn überglücklich, wieder in Schweden zu sein. Endlich wurde auch wieder "meine Sprache" gesprochen :-).
Meine Eltern und ich nahmen den Upptåg (der Upplandszug) und waren knapp 20 Minuten später in Uppsala. Leider lag keine einzige Flocke Schnee.
Dennoch unternahm ich so einiges mit meinen Eltern, natürlich auch wiedermal ein Abstecher nach Stockholm und diesmal endlich ins Vasa-Museum:
*in der Gamla Stan in Stockholm*
Die Vasa im Vasa-Museum
... ist ein schwedisches Segelschiff, das 1628 auf seiner Jungfernfahrt sank.
Erst in den 1950er Jahren wurde es in Stockholm gefunden und nach seiner Bergung 1961 kann man es heute restauriert im Vasa-Museum sehen. Wirklich gewaltig und wunderschön :-)
Und auf der Rücktour darf natürlich ein Take-away-Wok nicht fehlen; immerhin fährt man ja 50 Min.
Meine Mama ...
Und leider waren meine Eltern schon wieder abgereist, als pünktlich am 20.01. über Nacht richtig viel Schnee fiel. Uppsala erstrahlte unter einer weißen Schneedecke und schon bald kaufte ich mir einen tollen Schlitten.
Der Fyris und im Hintergrund der Dom von Uppsala
Die St. Olofsgatan
Mein nächster Blogeintrag wird der wahrscheinlich spannendste... meine Reise nach Kiruna, nördlich des Polarkreises. Ihr könnt gespannt sein :-)
Heute habe ich meine letzte Klausur geschrieben und bin mit dem Lernen erst einmal fertig für dieses Semester. An dieser Stelle wünsche ich Thilo und Simon Durchhaltevermögen, die eine wirklich doofe Aufgabe noch bis Freitag, dem letzten Tag vor Weihnachten, bearbeiten müssen.
Nun möchte ich an dieser Stelle gern über die Unterschiede zu deutschen Unis berichten:
Hier wählt man als erstes entweder einen großen Hauptkurs (der sich wiederum aus meistens 4 Teilkursen zusammensetzt) oder einen Teilkurs. Die Teilkurse gehen auch unterschiedlich lang und das Semester ist zudem in Wochen unterteilt. Man bekommt also eine Art Stundenplan, in dem alle Seminartermine verzeichnet sind, wobei es aber auch sein kann, dass man in manchen Wochen zwei Mal Unterricht hat, in manchen Wochen aber auch frei oder an anderen Tagen als sonst. Man hat jede Woche Hausaufgaben auf, die man teilweise auch abgeben muss. Also man muss richtig viel nacharbeiten. Deshalb sollte man auch nicht mehr als 20 Poäng studieren, also 30 ECTS-Points bzw. 4 Teilkurse oder einen großen Kurs. Jeder Teilkurs wird mit einer schriftlichen und/oder mündlichen Prüfung abgeschlossen. Die Scheine, die hier keine sind, sondern mehr so Bestätigungen/Zeugnisse, kann man sich per Mail zuschicken lassen und selbst ausdrucken. Das ist eine wirklich fortschrittliche Technik. Finde ich super. Erspart viel Zeit und viel Arbeitsaufwand. Weiterhin kann man hier jedes Semester was anderes studieren, zumindest in den Geisteswissenschaften. Man hat also ein bunt gefächertes Studium wenn man hier abschließt. Man redet sich immer per "du" an, aber das wisst ihr sicherlich schon. Die Dozenten sind hier, so habe ich jedenfalls die Erfahrung gemacht, persönlicher und näher mit den Studenten zusammen. Ich kann dazu mal ein zwei Geschichten erzählen: Von meinem Lehrer in "Muntlig Språkfärdighet" habe ich ja schon berichtet. Und der ganze Kurs ist total begeistert von ihm. Eines Tages kam Melanie zu spät zur Uni und sagte Stefan, dass sie einen Platten und deshalb die Hälfte des Weges hätte laufen müssen. Er hatte natürlich sofort Verständnis und empfahl ihr sogleich einen günstigen Fahrradladen, wo sie ihr Rad hätte reparieren lassen können. Melanie wollte das allerdings mit einer Freundin zu Hause machen, die jedoch in dieser Woche verreist war. Also fragte sie Stefan erneut, wo sich denn der Fahrradladen befände. Er malte ihr sogleich haargenau auf, wann sie wo abbiegen müsse, um zu diesem Fahrradladen zu gelangen. Ein zwei Tage später bekam Mela eine sms von Stefan, ob sie denn schon ihr Rad repariert hätte, denn er hätte heute Nachmittag Zeit und könnte ihr helfen! Also wenn das keine Fürsorge ist. Und Hannes, ein Kommilitone hier aus der Kantorsgatan, mailte einmal seiner Lehrerin, er sei erkältet und könne nicht zum Unterricht kommen. Daraufhin bekam er eine Mail zurück, in der Åsa fragte, ob er denn jemanden hätte, der für ihn zur Apotheke gehen könnte und er sollte sich warm anziehen und sich einen Tee machen. Also da ist man doch begeistert, oder?
Am Samstag war ich mit Thilo und Margaret in der Stockholmer Altstadt unterwegs, denn man mag es kaum glauben, hier in Uppsala gibt es keinen Weihnachtsmarkt. Und da ich ja im nächsten Jahr Weihnachten nicht mehr hier erleben werde, nutzten wir also die Chance, um noch ein wenig vorweihnachtliche Stimmung aufzuschnappen. Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken durchquerten wir die Gamla Stan ca. 3 Mal komplett, denn etwas sinnvolles zu finden, ist gar nicht so einfach. Die kleinen Gässchen sind traumhaft geschmückt und da es ja bereits halb 4 fast stockdunkel ist, kann man die vielen Lichter wunderbar genießen. Auf dem Weihnachtsmarkt konnte man Brot, Marmelade, Honig und Wurst probieren, es gab eine Schokoladen- und "gefüllte Tüten"-Tombola, überall Glögg zu kaufen und allerlei typisch schwedische Holz- und Keramiksachen. Danach sind wir in Richtung Stadtteil Södermalm aufgebrochen, wo sich eine Art Aussichtsplattform befindet, von wo aus man über den Hafenbereich, die Gamla Stan bis hin zum Vergnügungspark Tivoli schauen kann. Einfach traumhaft, auch wenn mir die Aussichtsplattform teilweise etwas zu hoch war, doch wie war das gleich...seine Ängste bekämpft man, indem man sich ihnen stellt! Also war ich ganz tapfer.
Weihnachtsmarkt in der Gamla Stan
Margaret, Thilo und ich
anschließend bei McDonald's
Blick auf Stockholm vom Aussichtsturm aus
Am Freitag wollten wir mit einem ganz besonderen Abend Bernhard, der leider am Donnerstag endgültig nach Hause fliegt, einen angemessenen Abschied bereiten. Wir trafen uns auf Roberts Korridor in Flogsta, wo sein Korridornachbar Daniel, ein Schwede, das typisch schwedische Nationalgericht, nämlich Janssons Frestelse ("Janssons Versuchung"), für uns zauberte. Dies ist ein in ganz Schweden sehr beliebter Auflauf, der aus Kartoffeln, Zwiebeln, Anchovisfilets und Sahne hergestellt wird. Der Name kommt entweder von einem berühmten schwedischen Opernsänger und Gourmet, einem gleichnamigen Film von 1929 oder von einer Restaurantbesitzerin, die einem Gast namens Jansson immer diesen Auflauf servierte. Dazu gab es eine Art eingelegte Auberginen, die sehr lecker waren, Tomaten und Mozzarella, Brot, Oliven und Julmost ( ein alkoholfreies schwedisches Weihnachtsgetränk, das wie eine Mischung aus Cola und Bier schmeckt).
Anschließend haben wir uns dann auf in die Stadt gemacht, wo wir wieder mal der Östgöta-Nation einen Besuch abstatteten. Dort war eine Hip-Hop-Party angesagt, und wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir dort auf einen neuen Tanzstil treffen würden. Die Musik ging los und schon sahen wir einige Leute mit Handtüchern rumlaufen, die ganz lässig um den Nacken gewickelt wurden. Und immer wenn der Refrain eines Liedes ertönte, wurde dieses Handtuch in der Luft umhergewirbelt. Mhm... also das hatten wir noch nirgends beobachtet. Die Musik war auch extrem schlecht, wie die unteren Fotos zeigen.
...schlechte, ganz schlechte Musik...
ein Handtuchwedler
Trotzdem war der Abend schön, auch wenn wir wiedermal in das furchtbare BJ's ausweichen mussten. Börni war nämlich noch nie da und diese Lokalität durften wir ihm natürlich nicht vorenthalten. Als wir nach Hause fuhren meinte er: "Also es war nicht besonders gut, aber ich habe es mir schlimmer vorgestellt." :-)
Am 9.12. waren wir in der Östgöta-Nation bei "Tons of Fun". Es wurde uns Musik der 60ies und 70ies versprochen und ich muss sagen, es hat sich wirklich gelohnt.
Am 27. November waren wir beim "Rub-a-dub", einer Art Raggae-Party wiederum in der Östgöta-Nation. Das tolle daran war, dass wir genau 21 Uhr da waren und somit kostenlos hineinkamen. Das ist in Schweden schon sehr wichtig, ansonsten muss man nämlich bis zu 100 SEK pro Abend bezahlen, was ungefähr 11 Euro für nur 4h tanzen und meistens nicht so gute Musik wäre.
Die Musik war allerdings diesmal wirklich gut und wir tanzten tatsächlich bis das Licht anging und wir vom Security-Personal nach Hause geschickt wurden. Mit dabei waren Mela, Julia, Simon, Robert und ich:
Am 28. Oktober fand ein Rock-Gasque statt, also einer der zahlreichen Bälle, der damals allerdings unter dem Motto "Rock" lief. Die Karten für die Deportees und die andere Band, an deren Namen ich mich allerdings nicht mehr erinnere, waren schnell ausverkauft. Doch Rosi schaffte es tatsächlich beim vergeblichen Versuch noch Karten zu erstehen persönlich mit der Band zu sprechen und somit 5 Plätze auf der Gästeliste zu bekommen. Somit konnten Frauke, Julia, Simon, Irene und ich also zum Rock-Gasque gehen. Als wir um 23 Uhr dort ankamen, standen schon etliche Leute in der Schlange und wir konnten einfach so an ihnen vorbeihuschen, direkt zum Eingang und dann auf die Gästeliste verweisen. Und somit stand einem Abend mit Rockmusik nichts mehr im Wege :-) Die Bands waren zwar nicht ganz so rockig, wie ich es mir gewünscht hatte, aber die Musik nach den Bands, zu der man tatsächlich mal bis 4 Uhr morgens tanzen konnte, war schon akzeptabel ;-) Hier also ein paar Fotos davon:
Das ist das Foto, das Rosi im Internet gefunden und welches der "hauseigene Fotograf" dort von uns gemacht hat.
"Girls of Rock" :-) : Rosi, ich, Frauke, Julia, Irene und Svenja
Das sind die Deportees
Rosi und der Sänger der Deportees
Am 15. Oktober waren wir in der wohl angesagtesten Diskothek (weil freitags kostenlos) von ganz Uppsala: "Birger Jarl" kurz "BJ's". Stellt Euch einfach die schlimmste und engste Diskothek vor, in der ihr je wart und multipliziert dies dann mit 90er-Jahre-Musik, aber eher von der schlechten Sorte. Wenn ihr dazu dann noch zahlreiche betrunkene SchwedInnen addiert, kommt ihr auf einen Wert, der Euch sagt: Das kann man nur im betrunkenen Zustand überstehen! Und auch dort war wieder ein Fotograf unterwegs:
Mela, Rosi, Julia und ich... und ein Schwede, den wir nicht kannten, der aber unbedingt mit auf dem Foto sein wollte ;-)
Und jetzt mal zwei andere Fotos: Das bin ich in meiner Küche beim Abwaschen und beim Wäschewaschen in der Tvättstuga (Waschraum):
Eine "Erfindung", die ich in Deutschland wahrscheinlich vermissen werde, obwohl ich ja eigentlich keine regelmäßige Busnutzerin bin, ist die in der St. Olofsgatan vorhandene beheizbare Bushaltestelle. Ein großer roter Knopf sorgt an dieser Haltestelle für ein warmes Hinterteil, wenn man mal wieder auf den Bus warten muss. Ich finde das wirklich sehr praktisch, denn nichts ist schlimmer, als irgendwo in der Kälte warten zu müssen.
Und wenn man dann dort sitzt, so wie ich, und auf den Bus wartet und es zudem auch noch kalt ist, drückt man einfach auf den Knopf:
"Drück' hier wenn du frierst."
Und schwupps... der auf der Sitzfläche vorhandene Schriftzug wird plötzlich beleuchtet und sagt einem:
"Värme för kalla rumpor" --> Wärme für kalte Hintern ;-)
Ich finde es großartig!
Im Supermarkt kann man auch die ein oder andere Überraschung erleben. Als erstes stehen Käse und Milchprodukte getrennt. Okej, ist vielleicht nicht so super spektakulär, aber ich habe mich anfangs schon gewundert, wo denn die Milch geblieben ist. Zweitens gibt es ca. 1 Mio. verschiedener gesüßter Brote, von hell bis dunkel, mit und ohne Körner. Ein zwei ungesüßte Brote gibt es auch, die werden dann wahrscheinlich von den Deutschen gekauft. ;-)
Drittens gibt es hier Marmelade, Suppen, Milchreis oder auch Apfelmus in wurstartigen Rollen verpackt:
Das tollste ist aber, dass es Kartoffelpüree mit Möhren schon gemischt und kleinpüriert in einer solchen Wurst gibt. So muss man das dann auf dem Teller nicht mehr selbst machen. :-)
Weiterhin gibt es in jedem Supermarkt eine ganze Wand voller kleiner durchsichtiger Kästen, die mit den unterschiedlichsten Bonbons, Lakritzstangen und Weingummis gefüllt sind, die dann in kleinen roten Tüten, auf denen "Godis" steht, zusammengemischt werden können. "Godis" bedeutet Süßigkeit. Und die Schweden scheinen verrückt danach zu sein...
Wenn man dann zur "Kassa" geht, wird man, wenn man das erste Mal etwas bezahlt, sehr verwundert sein. So wird zum Beispiel eine Summe von 19,95 SEK (Schwedische Kronen) auf 20 SEK aufgerundet. Die kleinste Geldeinheit sind 50 Öre, dann 1-, 2-, 5- und 10-Kronen-Stücke und weiterhin 20-, 50-, 100-, 500- und 1000-Kronen-Scheine. Das Kleingeld gibt man also, bei einer Summe von 23,50 SEK zum Beispiel, nicht der Kassiererin sondern steckt die Münzen in einen kleinen Automaten direkt neben der Kasse. Wenn man allerdings 100 SEK in 50-Öre-Münzen bezahlen will, dauert das so seine Zeit und die sonst so geduldigen Schweden sind dann tatsächlich etwas genervt. Aber ich wollte mein Kleingeld loswerden, steckte also eifrig die Münzen in den Automaten... Die Kassiererin wartete, Thilo wartete, ca. 20 Leute hinter mir warteten und ich lief rot an... Mhm. Aber ich konnte all meine Münzen loswerden und im Nachhinein konnten Thilo und ich wirklich drüber lachen...
Mit dabei waren noch 3 Physik-Studenten, die Robert mitbrachte, Dietmar und Rosi.
Und wie ich da so saß, fiel mir plötzlich auf, dass Simon gar keinen "richtigen" Bart hat und dass es ihm sicher gut stehen würde. Gedacht, ausgesprochen. Simon weigerte sich natürlich erst und wollte nicht so recht ja oder nein sagen, doch da kam ihm plötzlich eine andere Idee: "Ok, ich rasiere mich 2 Wochen nicht aber dafür musst du eine Woche jeden Tag rosa tragen." Rosa?? Um Gottes Willen... was für eine Herausforderung, wo ich doch meistens eher in hell-, mittel- und dunkelschwarz gehüllt bin. Ich dachte mir also: Ok!
Gleich am nächsten Tag borgte ich mir einen pink-farbenen Pullover von Rosi (vielen Dank nochmal!) und sollte doch für meine Farbauswahl diskriminiert werden. Ich ging frohen Mutes zum Sprachkurs, machte noch einen Abstecher zu Thilo, doch der schmetterte mir mit hochgezogener Augenbraue folgenden Satz entgegen: "Wie siehst du denn aus?" Ich konnte mich gerade so noch einmal von meinem Schock erholen, da traf mich auch schon die nächste Bemerkung meiner "Banknachbarin" Irene, die sich sonst eigentlich immer gern mit mir unterhielt, nur eben heute nicht: "Oh Steffi, ich kann dich heute gar nicht anschauen, du stichst so heraus..." Doch auf der Tallinfahrt schwächelte ich etwas und Simon wurde schon ungnädig und drohte damit, seinen Bart vorzeitig zu entfernen. Also nahm ich am Montag all' meinen Mut zusammen und ging mit einem riesigen Stapel rosa-farbener Klamotten bei H&M in die Umkleidekabine. Ich hatte natürlich die preisgünstigsten Sachen ausgewählt. Und Mela bereute schon bald, keinen Fotoapparat dabei zu haben, denn nie wieder würde ich mit 7 rosanen Oberteilen in die Umkleidekabine gehen. Nun ja, ich kaufte mir also einen Pullover, den ich gar nicht mal schlecht finde und durchaus auch tragen kann. Und er ist wirklich sehr gemütlich! Also trug ich ganz brav die ganze Woche den Pullover und ich bekam sogar von Maria Augusta, der Isländerin aus meinem Kurs, ein Kompliment: "Rosa steht dir so gut Steffi, du siehst so froh aus!" Froh sehe ich heute wieder aus, denn gestern Nacht um 00:00 Uhr war die Abmachung zwischen mir und Simon offiziell beendet. Aber ein Foto haben wir gemacht, um auch zu beweisen, dass wir es durchgehalten haben:
Wir buchten die Reise über's Internet, d.h. ich buchte die Reise auf einem eher umständlichen Wege, da aus den Angaben nicht hervorging, wo denn das Geld für die Tickets bezahlt werden sollte. Dennoch war das Geld pünktlich auf dem Konto der Fährgesellschaft "Tallink". Doch es sollte bis zum Schluss spannend bleiben.
Am Donnerstag war es dann endlich soweit. Wir, d.h. Melanie, Dietmar, Bernhard und Robert aus Flogsta und Simon, Thilo, Margaret und ich aus der Kantorsgatan, trafen uns pünktlich 13.45 Uhr am Bahnhof, um dann den Bus nach Stockholm zur Centralstationen zu nehmen. Nach einer einstündigen Busfahrt kamen wir direkt am Busterminalen an, wo auch der "Fährbus" zum Frihamn (Freihafen) abfahren sollte.
v.l.n.r.: Margaret, Mela, Thilo, Bernhard, ich, Dietmar, Simon, Robert
Centralstationen Stockholm
Am Frihamn angekommen, begaben wir uns also zum Terminal D, wo ich die Tickets abholen sollte. Seit Stunden plagte uns die Angst, dass erstens Margaret, da sie ja Australierin ist, nicht mitkommen könnte, und zweitens, ob wir mit unserem Personalausweis nach Estland reisen konnten. Estland ist zwar seit 2 Jahren EU-Mitglied, trotzdem stand in den Bestimmungen von "Tallink", dass ein Reisepass erforderlich wäre. Ich war allerdings die Einzige, die einen solchen besaß. Doch wir nahmen auch diese Hürde mit Bravour: alle kamen durch die Passport-Kontrolle. Zufälligerweise waren wir auch nach unseren Wohnheimen in die Kabinen aufgeteilt worden. Dennoch erwarteten wir nicht, dass wir diesmal auf Deck 9 (!!!), also ganz oben wohnen könnten. Somit gingen wir strahlend auf die Fähre und bestaunten sogleich die Kabine:
Und es passierte ein Wunder: Thilo hatte diesmal kein dreckiges Bett!! Denn sein Bett war zum Zeitpunkt der Ankunft noch eine praktische couch-ähnliche Sitzgelegenheit und somit bestand diesmal keine Gefahr, dass sich auch nur ein einziger Krümel auf seinem Bett verirren konnte. ;-)
Nachdem wir unsere Rucksäcke und Taschen abgeworfen hatten, begaben wir uns gleich auf's "Sonnendeck":
Mela, ich und Simon
Nachdem wir 18 Uhr in Stockholm/Frihamn abgelegt hatten, aßen wir in den Kabinen Abendbrot und schauten uns dann die Fähre etwas genauer an. Ob die Fähre größer als die der Viking-Line nach Helsinki war, kann ich nicht sagen... Ich habe mich nur vorher über das Baujahr (2002), die Reederei (Helsinki) und die Anzahl der zu transportierenden Passagiere informiert (2500) ;-) Ich hatte schon ein etwas mumliges Gefühl bei der Sache, fragte mich immer wieder, warum ich eigentlich schon wieder bei einer 13-stündigen Fährfahrt dabei sein wollte. Doch wenn einen das Reisefieber packt...
Wir schlenderten also durch die Fähre, guckten hier, und guckten dort und plötzlich standen wir vor der "Casino Bar", die auch gleichzeitig als 2-etagiges Cabaret-Theater diente. Es wurde eine sehr freizügige Tanzshow aufgeführt, die wir natürlich anschauen mussten.
Doch plötzlich entpuppte sich das Programm als eine Art Weihnachtsshow und Hasen, Karotten und Schweine hüpften zu Weihnachtsliedern über die Bühne. Da war es dann an der Zeit zu gehen: In die "Aluminium-Disco". Wenn ich jetzt schreiben würde, ich hätte mich darauf schon die ganze Zeit gefreut, wäre das etwas übertrieben, aber da Tanzen ja nicht unbedingt zu den Dingen gehört, die mir nun überhaupt keinen Spaß machen, holten wir uns an der Bar einen White Russian und lauschten der Musik, die uns entgegendröhnte. Thilo und Margaret befanden sich bereits "in der Waagerechten" und verpassten somit mit Dietmar, Robert, Mela, Simon, Bernhard und mir eine Menge Spaß auf der viel zu kleinen Tanzfläche! Ich hätte nicht gedacht, dass ich jemals wieder zu Dr. Alban, 2 Unlimited oder "Coco Jambo" tanzen würde. Leider existiert davon auch ein absolut peinliches Video (Danke, Bernhard!), welches hoffentlich nie veröffentlicht wird. Aber wie ich ja schon mehrfach geschrieben habe, muss man musikalisch wirklich extreme Abtsriche machen. Ich sollte an dieser Stelle noch erwähnen, dass ich gegen 22 Uhr eine Reisetablette genommen hatte, die ich mir glücklicherweise noch einen Tag zuvor in der Apotheke gekauft hatte. Und ich muss sagen, dass die Tabletten wirklich super waren! Ich konnte mich nun endlich auch einmal auf einer Fährfahrt entspannen. Um 3 Uhr nachts packte uns allerdings noch einmal der Hunger und Simon und ich aßen im Restaurant "Fast Food 25h" noch ein äußerst trockenes Baguette, das unserem Magen allerdings sehr gut tat. Gegen morgens um 4 fielen wir dann doch etwas müde ins Kabinenbett.
Am nächsten Morgen entschlossen wir uns dennoch für ein Frühstück an Bord, das wir aus Kostengründen vorerst nicht dazugebucht hatten. Doch es gab leckeren Kuchen, allerlei Brötchen, Müsli, natürlich auch Würstchen, Fleisch und Bohnen etc.
Ankunft in Tallin 10 Uhr
Mela, Bernhard und Margaret
Anfahrt auf Tallin
In Estland angekommen liefen wir natürlich mit großen Augen durch Tallin; ich glaube, noch niemand von uns war jemals zuvor dort gewesen. An einer Straßenecke redete uns dann plötzlich ein Este an, der anbot, eine kleine Stadtführung für uns zu machen. Für etwa 2 Euro pro Person führte er uns knapp 2h durch die wunderschöne Stadt und erzählte uns sehr viel über die historischen Gebäude, Kirchen und Estland an sich. Er drückte Dietmar bei der Verabschiedung sogar seine Adresse in die Hand, damit wir uns bei ihm melden könnten, falls wir mal wieder in Tallin wären.
Insgesamt hat mir Tallin wirklich gut gefallen; die Altstadt mit Gässchen und Kirchen hatte doch mehr Charme als das doch so moderne und graue Helsinki. Die neuere "untere Stadt" Tallins erinnerte mich jedoch sehr an Moskau und St. Petersburg. Die alten Straßenbahnen, Autos, aufgerissenen Straßen und sanierungsbedürftigen Häuser zeigten ganz deutlich, wie weit östlich wir uns in Europa befanden, was an dieser Stelle nicht negativ klingen soll. Viele Gebäude sind saniert und restauriert und geben Tallin einen wirklich niedlichen und gemütlichen Charakter. Nur die Sprache gab uns allen ein Rätsel auf...
Nach unserer "Guided Tour" durch Tallin tranken wir an der alten Stadtmauer im Café Mademoiselle einen Kaffee, kauften Postkarten und Briefmarken und mussten uns dann langsam wieder auf die Fähre begeben. 18 Uhr würde die Fähre wieder in Richtung Stockholm ablegen. Hier also einige Fotos unseres knapp 7-stündigen Aufenthalts:
Bernhard, Thilo und Simon auf dem Weihnachtsmarkt im Zentrum Tallins
Die russisch-orthodoxe Kirche
Blick auf Tallin von der Stadtmauer aus
Bernhard und Dietmar im Café Mademoiselle
Simon, Margaret, Robert, Mela und ich im Café Mademoiselle
Gegen 16.30 Uhr begaben wir uns dann zurück zum Abfahrtsterminal der Tallink und die Devise lautete: Abendbrot!
Dietmar, Simon, ich und Mela im Terminal
Etwas später setzten wir uns in den "King's Pub" der Fähre und tranken ein Guiness :-) Also Mela und ich jedenfalls. Thilo trank ein Weihenstefan, Simon schlief, Dietmar war in der bordeigenen Sauna, Margaret lauschte unseren Gesprächen und Robert befand sich wohl gerade irgendwo auf der Fähre, um sein eigens überlegtes Tanzvideo zu planen. Doch Simon und Robert kamen genau dann in den Pub, als uns wenige Minuten später ein Mann nicht definierbarer Nationalität ansprach. Thilo sollte sogleich der auserwählte Gesprächspartner sein. Doch kam es zu keinem Gespräch... Wir erklärten diesem Mann abwechselnd auf Englisch und Schwedisch, dass wir aus Germany bzw. Tyskland kämen. Doch Worte, die wohl eine Mischung aus Russisch, Estnisch und zu viel Alkohol waren, konnten wir leider nicht verstehen. Er verstand uns ja schließlich auch nicht, und somit dachten wir, wir wären ihn so bald wie möglich auch wieder los, da er sich's mittlerweile an unserem Tisch bequem gemacht hatte. Doch ans Gehen dachte er gar nicht. Endlich, nach ca. 15 Minuten vergeblicher Verständigungsversuche, verließ er jedoch den Pub und gab uns zum Abschied noch allen die Hand.
Das Abendprogramm im Cabaret-Theater ging auch an diesem Abend jedoch bei deutlich mehr Wind und Wellen weiter. Eine weitere Tablette sorgte aber dafür, dass ich den Wellengang wenigstens etwas genießen konnte.
Thilo, Bernhard und ich hatten jedoch noch einen witzigen Einfall im Duty Free Shop:
Eigentlich hätten wir auch noch gern Kindersachen und Mützen ausprobiert, aber das Personal wäre sicherlich nicht so begeistert gewesen ;-).
Die letzten Estnischen Kronen gaben wir also dort für Schokoladenlikör, Wodka, Schokolade und Bier aus und somit stand einem Jive mit Robert im Cabaret-Theater nichts mehr im Wege. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die sowohl darauf zurückzuführen waren, dass ich schon lang keine Standardtänze mehr getanzt hatte, als auch auf den Wellengang, der die Tanzpaare von links nach rechts und wieder zurück wirbelte, gingen wir erneut in die "Disco-Aluminium". Martini versetzte uns zum Glück in die richtige Stimmung, um wieder zu Dr. Alban und Co. tanzen zu können.
Tallin bei Nacht
Am nächsten Morgen, nach steifer Brise, Wellengang und wenig Schlaf kamen wir wieder im Freihafen in Stockholm an. Glücklicherweise fuhr diesmal ein Bus direkt bis Uppsala, sodass wir im Bus unseren Schlaf nachholen konnten...
- Mood:
happy
Und zu einem richtigen Fähre-Fan gehört natürlich auch eine Mitgliedschaft im "Viking-Line-Club", der viele günstigere Reisen für Mitglieder anpries. Wir buchten also eine 3-Tages-Kryssning (Kreuzfahrt), bei der man ca. 7h Aufenthalt in Helsinki haben sollte. Insgesamt bezahlten wir mit Frühstück und Abendbüffet auf dem Schiff zu viert 1950 SEK. Also etwas über 200 Euro. Dabei wählten wir allerdings die günstigste Kabine, die sich noch unter dem Autodeck befand. Wir wollten uns ja schließlich Helsinki anschauen und nachts schläft man ja sowieso...
Am Freitag (10.11.) begann unsere "finnische Kreuzfahrt" hier in Uppsala in der Djäknegatan; um 12:23 Uhr fuhr uns der Bus Nummer 2 bis zum Vaksala-Torg,- von dort aus ging es schnellen Schrittes in Richtung Bahnhof. 13.10 Uhr saßen wir im Zug Richtung Stockholm, wo wir 13.50 Uhr ankamen, in einem Café noch Pizza, Kuchen, Salat und Kaffee zu uns nahmen und uns gegen 15.30 Uhr auf die "Mariella", unser Viking-Line-Schiff, begaben. Zu diesem Zeitpunkt dämmerte es bereits und um 16.45 Uhr, als die Fähre dann ablegte, war es stockdunkel und man konnte wunderschöne Nachtaufnahmen von Stockholm Slussen (Schleuse; Fährhafen) und Gamla Stan (Altstadt) machen.
Start: Djäknegatan/Uppsala (Thilo ist der Schatten ;-) )
Stockholm bei Nacht um 15.30 Uhr
Auf dem Weg zur Fähre
Angekommen in der Kabine... wie gesagt, das unterste Deck
Und die Fahrt beginnt...
Und wir lassen Stockholm und Schweden hinter uns
Nachdem es uns allerdings an Deck zu kalt und windig wurde, zogen wir uns auf's Restaurant- und Discodeck zurück, wo wir uns an der Bar ein Bier holten. Da wir 4 allerdings noch in kompletter Outdoorkluft dort erschienen, wurden wir sogleich von vier oder fünf Schweden, die augenscheinlich betrunken waren, angesprochen und die uns dann erklärten, wir würden wie Polarforscher aussehen. Zuerst wurden wir für Finnen und dann für Schweden gehalten, letztendlich, nachdem klar war, dass wir Deutsche sind, berichteten die Schweden vom harten Winter und dass ja nur sie, da sie ja wirkliche Wikinger wären, dieser Kälte standhalten könnten. Daraufhin fragte Thilo, ob denn einer der netten Herren schon jemals in Deutschland gewesen wäre, denn auch bei uns wäre es ja durchaus kalt. Nein, noch nie... kam dann als Antwort und wir setzten uns zufrieden in eine der furchtbar ungemütlichen Sitzecken. Es gab tatasächlich keine schönen gemütlichen Couchgarnituren, so wie ich es von den Fähren nach England, Schottland oder Dänemark kannte. Man saß dort tatsächlich den ganzen Abend auf sonderbaren Holzstühlen. Aber es war trotzdem recht lustig, da sich unsere Sitzecke direkt in der Mitte des Schiffes befand. All' die betrunkenen Schweden mussten also an uns vorbei um zur Bar zu gelangen. Und das Torkeln eben erwähnter Personen hing nicht mit dem Seegang zusammen... Nicht eine Welle war auf der weiten Ostsee zu erkennen. Einfach traumhaft... (Das war wohl die Ruhe vor dem Sturm!)
Gegen Mitternacht machten wir uns auf in die Kabine. Auch dort gab es die ein oder andere Überraschung. Allerdings war Thilo derjenige, der überrascht werden sollte. Nicht nur sein Bett, und es war das einzige, war unheimlich schmutzig (um es mal milde auszudrücken) und mit zahlreichen eigenartigen Flecken versehen, sondern auch sein Bett war es, das sich genau im "Klimaanlagenwind" befand, wodurch Thilo mit Schal und vorgehangenem Handtuch schlafen musste. Wir mussten schon etwas schmunzeln; immerhin ist Thilo für sein stetiges Pech schon bekannt...
Trotzdem schliefen wir alle recht gut. Um 6 Uhr morgens klingelte mein Handy und ich war die erste in unserem kleinen komfortablen Bad, da ich den Sonnenaufgang auf keinen Fall verpassen wollte. Thilo und ich begaben uns also schon um 7 Uhr morgens an Deck und wir hätten wirklich keine Minute später kommen dürfen...
Übrigens sind die Fotos von der Farbe her nicht nachbearbeitet!
Gegen 10 Uhr finnischer Zeit (also 9 Uhr schwedischer Zeit) liefen wir dann in den Hafen Helsinkis ein.
Hier ein paar Fotos von unserem "Stadtbummel":
Der Lesesaal der Universitätsbibliothek
Marktstände am Hafen mit Tierfellen
Der Dom
Ein Souvenir-Shop mit Mumin :-)
Danach hatte ich gesucht: Lordi ... langhaarige Finnen :-)
Zu allerletzt waren wir noch ein einem Café eine heiße Schokolade trinken (es lag dort vereinzelt noch Schnee auf den Grasflächen), die 3,50 Euro gekostet hat, aber wirklich lecker war. Dann fielen unsere Blicke auf den Kuchen, den wir eigentlich gern dazu gehabt hätten: ein Stück Obstkuchen oder Schokoladenkuchen 5 Euro! Ein Stück. Naja, eigentlich hatten wir auch keinen richtigen Appetit auf Kuchen. ;-)
Nach heißer Schokolade mit Vanillemilchhaube haben wir uns dann zurück auf’s Schiff begeben. 6,5h waren wirklich sehr schnell um. Und Helsinki ist irgendwie ganz anders als ich es mir immer vorgestellt habe. Es hat mich sehr an Berlin erinnert; es ist auch sehr grau und modern. Und wirklich klein für eine Hauptstadt! Wenn man im Hafen anlegt, ist man praktisch schon in der Innenstadt, die mit ihren goldenen Kirchturmspitzen schon fast russisch aussieht.
Wir waren also 17 Uhr finnischer Zeit (16 Uhr schwed. Zeit) wieder auf dem Schiff und mir fiel gleich auf, dass es windig und schon im Hafen das Wasser recht aufgepeitscht war. Thilo stellte nach kurzer Zeit fest:„Oh, diese Fahrt wird etwas stürmischer.“ Na gut, dachte ich mir… wird ein bisschen wackeln, aber ich bin ja schon oft Fähre gefahren. Aber der Wind wurde fast von Minute zu Minute schlimmer und als wir dann 20 Uhr zum Abendbuffet gingen (darauf habe ich mich die ganze Woche gefreut!!!), welches sich genau am Bug befand, war mir schon recht mulmig im Magen. Ein Finne am Nebentisch machte sich über mein schon gelbliches und angsterfülltes Gesicht lustig. Und ich schaute mich um: Niemand saß so da wie ich! Alle torkelten etwas durch die Wellen und den Wind, aber niemandem machte das augenscheinlich etwas aus; es wackelte eben, die Gläser und Teller klirrten und man musste aufpassen, dass das Glas Wasser nicht vom Tisch kippte. Also entschied ich mich die Nudel- und Kartoffelgratins, Reis- und Gemüsegerichte samt Schokoladenkuchen und Tiramisu mit Eiskrem nicht zu essen, sondern ließ mir von Thilo, der sich wirklich rührend kümmerte, immer mal wieder eine Scheibe Weißbrot mitbringen. Toll, da bezahle ich extra für ein tolles Buffet und dann passiert wieder so was. Nach dem Essen bin ich gleich raus an die frische Luft. Die Gischt peitschte um das Schiff und der Wind wurde immer kräftiger. Auf Deck 6 befand sich eine große Seekarte, wo man schauen konnte, wann das Schiff wo ist. Und ich musste leider mit Entsetzen feststellen, dass wir zu diesem Zeitpunkt (22:00) noch nicht mal die Hälfte auf der offenen Ostsee zurückgelegt hatten. Um 1 Uhr kamen wir sogar an den Punkt, der am weitesten von der Küste entfernt liegen sollte, nämlich 40km etwa. Der Sturm wurde also immer schlimmer, das ganze Schiff machte sonderbare Knarrgeräusche, die Gläser klirrten und der Bug hob im Wechsel mit dem Heck immer soweit von der Wasseroberfläche ab, sodass der jeweilige Schiffsteil mit einem dumpfen, metallischen Geräusch auf das Wasser aufschlug. Oje, was sollte das für eine Nacht werden?
Und um 1 Uhr war es dann auch so weit… Mein Magen machte schlapp, zu viele Drehungen pro Minute bekamen ihm noch nie gut. Es war grauenvoll! Da soll man sich nun auch noch auf öffentlichen Toiletten übergeben und das auch noch bei extremem Wellengang! Bin fast verzweifelt. Danach habe ich mich an einem der unbequemen Stühle festgeklammert. Julia ist dann in die Kabine gegangen, weil es ihr unten wohl besser ging, aber Simon und Thilo haben auf mich aufgepasst! Gegen 3.30 Uhr wurde der Wellengang dann endlich etwas ruhiger und um 4.25 Uhr legten wir dann zum Zwischenstopp in Mariehamn auf Åland an. Dann gingen wir drei in die Kabine, da wir dringend Schlaf brauchten. Eine Stunde etwa wackelte das Schiff noch aber ab 6 fuhren wir ja wieder 4h durch die Schären und da war nichts zu spüren. Gott sei Dank, wenigstens 3h Halbschlaf.
Tja, das war meine Helsinki-Tour.
Und ich muss mir auch wirklich noch überlegen, ob ich unbedingt nach Riga oder Tallin fahren möchte… jedenfalls nicht zu dieser Jahreszeit. Daraufhin meinten die anderen: Dann fliegen wir… Ha ha… guter Witz! Ich glaube, ich kann nur noch mit Fahrrad oder Zug verreisen… Auf jeden Fall war die Reise nach Helsinki ein Erlebnis!
Morgens, Ankunft in Stockholm
- Mood:
sleepy
In diesem Kurs geht es darum, (fast) jede Woche ein kurzes Referat von 3 bis 6, manchmal aber auch von 5 bis 10 Minuten zu halten, um so im mündlichen Bereich Fortschritte machen zu können. Ganz besonders wichtig ist es, diese Kurzreferate (man mag manchmal nicht glauben, wie lang 3 Minuten sein können!) vorn an einem Pult zu halten. Das muss man schließlich auch in der Fremdsprache trainieren! Auf Deutsch habe ich damit kein Problem, nur auf Schwedisch muss man über so viele Dinge nachdenken: Grammatik, Aussprache, immer schön zum Publikum schauen...
Ein Thema dieser Referate war das Anfertigen einer sogenannten Instruktion. Man soll also berichten, wie man etwas bestimmtes macht. Nun dachte ich mir natürlich, dass ich gern sowieso ein Foto von Stefan hätte und somit war die Sache klar: Ich beschreibe also einfach, wie man mit einer Digitalkamera Fotos macht. Gesagt, getan. Und ich glaube, Stefan hat bis zum Schluss gezweifelt, dass ich den Auslöser wirklich drücke! :-)
Im Hintergrund sitzen übrigens v.l.n.r.: Carl (USA), Francis (IRL), Hue (VIETN) und Maria Augusta (ISL). Und natürlich Stefan Spielberg ;-)
Seit ich vor 3 Wochen hörte, dass etwa hundert Meilen nördlich von Uppsala in Dalarna schon der erste Schnee gefallen sei, wartete ich vergebens...
Doch heute morgen pfeifte der Wind um mein Zimmer, jedoch mit einem anderen unterschwelligen Geräusch: das Geräusch von Schneesturm!
Ihr könnt euch wirklich nicht vorstellen, wie es hier aussieht. Leider kann eine Kamera gar nicht die Eindrücke, die man gerne erfassen möchte, so exakt auf einem Bild widerspiegeln, aber ich habe es versucht:
Blick aus meinem Fenster 08:10 Uhr
Blick aus meinem Fenster 10:05 Uhr
Blick aus meinem Fenster 12:05 Uhr
Kalt ist es irgendwie nicht... momentan sind -1°C oder so. Nur der Wind scheint arktisch zu sein... der zieht unter jede Jacke.
Jedenfalls freue ich mich und laufe gleich Richtung Stadt um noch ein paar Fotos zu machen :-)
Ich liebe Winter!!! Und Schnee! Und Schweden! :-)
- Mood:
crazy
Das musste ich wieder einmal feststellen.
Ich schlenderte durch die Regale der Stadtbibliothek, auf der Suche nach einem geeigneten Buch für meinen Aufsatz, den ich bis Ende November über ein Buch meiner Wahl schreiben sollte. Ich stöberte ein wenig in der Krimi-Abteilung und nahm ohne weiteres Darübernachdenken ein Buch von Håkan Nesser aus dem Regal...
Und siehe da; das Buch beginnt mit exakt meinem Geburtsdatum!
Wenn das kein Zufall ist...
